„Krankmacher“ Lärm: Wenn der Krach zu Herzen geht

Auch moderater Lärm kann stressen

Ob ein Geräusch als belästigender Lärm empfunden wird, entscheidet oft weniger die Lautstärke, als die Höhe der Frequenz, die Situation, an die das akustische Ereignis gekoppelt ist, und auch die psychische Verfassung des Betroffenen. „Schon im Bereich zwischen 45 und 75 Dezibel, also bei Straßen-, Flug- und Schienenlärm, reagiert der Körper mit Stress“, so Prof. Dr. Thomas Münzel, Ärztlicher Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Das ist in der Frequenz vergleichbar mit dem Brummen eines altersschwachen Kühlschranks oder prasselndem Regen.

Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Probleme

Der Experte untersuchte in einer Lärmwirkungsstudie den Einfluss von Nachtfluglärm auf die Gefäßfunktion von Patienten mit einer Herzkranzgefäß-Erkrankung. Bei den Teilnehmern stieg der Blutdruck an, die Durchblutung der Gefäße verschlechterte sich und der Schlaf war deutlich gestört. Demzufolge kann Nachtfluglärm Schlafstörungen hervorrufen und zu einem erhöhten Verbrauch an Herz-Kreislauf-Medikamenten führen.

Lärm und Stress – eine fatale Kombination

Moderate Begleitgeräusche am Arbeitsplatz wie das Brummen von Elektrogeräten oder das Stimmengemurmel im Großraumbüro können konzentrierte Arbeitsprozesse stören und für Ärger sorgen. Die Folge: Der Körper schüttet vermehrt Stress-Hormone wie Cortisol oder Noradrenalin aus. Nach Erkenntnissen des Kardiologen Prof. Dr. Münzel sorgt chronischer Stress daher für eine Vermehrung von „Gefahrenquellen für Herz und Kreislauf“. So könnten sich etwa eine diabetische Stoffwechselstörung oder Veränderungen der Blutgerinnung entwickeln.

Lärm kann negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben und beispielsweise das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen steigern. Foto: © Fotos593 – fotolia.com


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