Arbeiten, wenn andere schlafen!

Schichtarbeit und Gesundheit

Schichtarbeit und Wechseldienste bringen vielfach die innere Uhr aus dem Takt und können auf Dauer die Gesundheit beeinträchtigen. Zahlreiche Studien zeigen beispielsweise, dass bei Schichtarbeitern psychosomatische Beschwerden, körperliche Erkrankungen und psychische Störungen häufiger auftreten. Auch ein Zusammenhang zwischen Schichtdienst und Magen-Darm-Erkrankungen, Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinspiegeln sowie der Entstehung von Diabetes ist belegt.

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Schlafstörungen vorprogrammiert

Schlafmangel und Schlafstörungen sind bei Schichtarbeitern ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Beschwerdebild. So leiden nach einer aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse 40 Prozent aller Schichtarbeiter an schlechtem Schlaf. Die Schlafdauer ist dabei nach Nachtschichten am geringsten, der Schlaf zeigt mehr Unterbrechungen und weniger Tiefschlafphasen. Der Schlaf bei Frühschichten hingegen ist oftmals zu kurz, zu oberflächlich und wenig erholsam. Viele leiden selbst an schichtfreien Tagen unter Schlafstörungen.

Wahrnehmung beeinträchtigt

Dass durch Schichtarbeit auch die kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt werden, zeigte jüngst eine Studie aus Frankreich. Forscher aus Toulouse untersuchten mehr als 3.000 Beschäftigte aus unterschiedlichen Branchen. Die eine Hälfte arbeitete im Schichtsystem, die andere nicht. Im Abstand von jeweils fünf Jahren wurden verschiedene kognitive Tests durchgeführt, die das Kurz- und Langzeitgedächtnis, das Reaktionsvermögen und andere kognitive Fähigkeiten erfassten. Schichtarbeiter schnitten im Vergleich zu Berufstätigen in Normalschicht schlechter ab. Außerdem fanden die französischen Wissenschaftler heraus, dass zehn Jahre Schichtarbeit einem zusätzlichen Alterungsprozess von mehr als sechs Jahren entsprechen.

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Fehler durch Schläfrigkeit

Schichtarbeit und Schlafstörungen haben nicht nur Folgen für die eigene Gesundheit. So hat eine amerikanische Studie gezeigt, dass bei mehr als fünf Bereitschaftsdiensten über 24 Stunden pro Monat die durch Schläfrigkeit bedingten Fehler im ärztlichen Handeln um das Siebenfache zunehmen. Eine andere amerikanische Studie mit rund 900 Krankenschwestern, die im Dreischicht-Dienst über vier Wochen tätig waren, fragte nach Unfällen oder Beinahe-Unfällen auf dem Nachhauseweg. In diesem relativ kurzen Zeitraum berichtetet immerhin 16 Prozent der Krankenschwestern von solchen Ereignissen.
Das Unfallrisiko auf dem Nachhauseweg verdoppelt sich nach Schichten mit einer Dauer von 12 Stunden. Und nach Nachtschichten ist die Wahrscheinlichkeit auf dem Weg nach Hause einen Unfall zu verursachen sogar um das Vierfache erhöht.

Soziale Problematik

Schichtarbeit schadet aber nicht nur der Gesundheit, sondern hat Folgen für das gesamte Sozialleben. Der Schlaf nach einer Nachtschicht findet zu Zeiten statt, wo andere wach und aktiv sind. Wer hingegen arbeitet, wenn alle anderen schlafen, bekommt vom Leben oft nicht mehr viel mit, so die Industriegewerkschaft Metall. Das erschwert die Situation für die Familie und das soziale Umfeld. Die Beziehungen zum Partner, zu Kindern oder zu Freunden leiden. Die Kindererziehung und Problemlösungen im Alltag sind häufig alleinige Aufgabe des „normal“ Beschäftigten. Freizeitaktivitäten wie Kino oder Theaterbesuche, Sport und Hobbys können häufig nicht regelmäßig wahrgenommen werden.


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